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Conrad Paumann

Markus Zimmermann

Conrad Paumann
zwischen 1409 und 1415-1473

Komponist, Instrumentalist und Hoforganist


Unsicherheit im Umgang mit Blinden gehört keineswegs zu den zivilisatorischen Neuerungenschaften: Selbst auf dem Höhepunkt seines internationalen Ruhmes, gelegentlich einer Reise an die Höfe von Mailand und Neapel, wird der begehrte und vielseitig begabte Münchner Hoforganist Conrad Paumann als „cieco miracoloso“ (wundersamer Blinder) bezeichnet. War den adeligen Gönnern die Vielfalt von Paumanns musikalischen Fähigkeiten – das Epitaph zeigt ihn mit Laute, Fidel, Flöte, Harfe und Portativ-Orgel – unheimlich oder zumindest unverständlich? Oder hatte man Grund, den Lebenswandel mit gewissem Argwohn zu betrachten?

Für einen Musiker im Spätmittelalter war das Spiel mehrerer Instrumente nichts Ungewöhnliches. Optisch nicht Nachvollziehbares war dem Betrachter von damals ebenso fremd wie das heute noch mitunter der Fall ist: So konnten sicher viele Zeitgenossen nicht begreifen, wie ein Mensch ohne optische Hilfsmittel so unterschiedliche Instrumente zu handhaben verstand. Dabei spielten schriftlich fixierte Noten eine wesentlich geringere Rolle, und auch die Ausbildung vollzog sich weitgehend auf dem Weg der mündlichen Überlieferung. Gerade im zunftmäßig organisierten Nürnberg wird man sich diese eher handwerklich vorstellen müssen: Schüler lebten und lernten bei ihren Meistern im Haus. Auch deshalb finden wir zu Musikerpersönlichkeiten bis weit in die Neuzeit kaum Aufzeichnungen über deren Werdegang. Von Paumann wissen wir lediglich, dass die Nürnberger Patrizierfamilie Grundherr seine Ausbildung sponserte und dass er Organist an der Hauptkirche St. Sebald wurde, wo um 1440 eine neue Orgel errichtet worden war; später war er auch Stadtorganist in Nürnberg.

Es ist davon die Rede, dass er 1446 in Margarethe Wichsler verliebt gewesen sei und deshalb versprochen habe, Nürnberg nicht ohne Erlaubnis des Stadtrats zu verlassen. Dennoch verschwand Paumann 1450 heimlich, um in München bei Herzog Albrecht III eine offenbar sehr einträgliche Stelle als Hoforganist anzutreten: Neben dem Salär über ein Haus in München zu verfügen, das war bereits damals ein Privileg. Nur dank der Intervention von Herzogin Anna gelang es, Paumann 1451 von seinen Nürnberger Verpflichtungen zu entbinden.

Als Geburtsblinder war Paumann darauf angewiesen, dass seine Kompositionen und seine theoretischen Ausführungen nach Diktat niedergeschrieben wurden. Das mag unter anderem die quantitativ geringe Überlieferung seiner Werke erklären. Es handelt sich bei den wenigen Liedern und Instrumentalstücken um sog. „Fundamentliteratur“ im doppelten Sinn: Das bezieht sich zum einen auf die wörtliche Übersetzung, nach der es sich um Grundlegendes handelt, Kompositionslehre in Wort und Notation also. Zum andern bezieht sich der Begriff auf die Satztechnik. Sowohl Lieder als auch besonders die Literatur für Tasten- und Zupfinstrumente gehen im späten 15. Jahrhundert von den tiefen Stimmen aus. Über dem Fundament langer Notenwerte in Tenor und Bass wird feingliedriges Passagenwerk errichtet, häufig improvisierend. Für unser Empfinden klingt diese Musik etwas schwerfällig. Das sog. „Tenor-Lied“ hat dagegen für mehr als ein Jahrhundert die musikalische Entwicklung bestimmt.

Paumanns Grabmal ist leider gewöhnlich nicht mit den Händen zu greifen, da ca. drei Meter über dem Boden angebracht. Seit 1920 befindet es sich in der Münchner Frauenkirche am südlichen Emporenpfeiler in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grabmal von Ludwig dem Bayer. Für sehbehinderte Besucher ist es - gegebenenfalls mit einem Monokular - gut erkennbar.

  

  

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