Inhalt Rechts

Rechte optische Spalte

Sprachauswahl

Dritte Spalte

Inhalt Mitte

Breadcrump Menü

Sie sind hier:

Hauptinhalt

.

Ernst Jakob Christoffel

  Keyvan Dahesch

Ernst Jakob Christoffel
1876-1955

Heilsbringer für Blinde 


 

Pastor Ernst Jakob Christoffel war ein Freund der handfesten Mission. «Vielleicht hat das Reinigen eines Straßenkindes mehr Wert als eine Predigt», lautete sein Credo.

 

Aus seinem Einsatz für türkische Waisenkinder entwickelte sich eines der größten Hilfswerke für blinde Menschen. Heute verhilft die Christoffel-Blindenmission (CBM) mit Sitz im südhessischen Bensheim jährlich rund zehn Millionen Behinderten in Entwicklungsländern zu einem menschenwürdigen Leben. Diesen Erfolg hat Christoffel nicht mehr erlebt. Er starb vor 50 Jahren, am 23. April 1955 im iranischen Isfahan.

 

Der am 4. September 1876 als Sohn einer Handwerker-Familie in Rheydt, heute ein Stadtteil von Mönchengladbach, geborene Ernst Jakob Christoffel entschied sich nach Abschluss des Theologiestudiums in Basel für die Tätigkeit als Missionar im Orient.

 

Zusammen mit seiner Schwester Hedwig übernahm er im Herbst 1904 in der nordosttürkischen Stadt Siwas die Leitung zweier Waisenhäuser, die das Schweizerische Armenienhilfswerk dort für armenische Waisenkinder eingerichtet hatte. Hier lernte er zum ersten Mal das Elend der orientalischen Blinden kennen: «Die materielle, moralische und religiöse Lage der Blinden ist furchtbar, die meisten betteln, die Mädchen  und Frauen verfallen vielfach der Prostitution»,  schrieb er nach Hause.

 

Die Ursachen der Blindheit sah er in Schwarze Blattern, Trachom, Syphilis, Mangel an Hygiene und fehlenden Augenärzten. «In der ganzen asiatischen Türkei gab es meines Wissens keinen Augenarzt», berichtete er. Diese Erfahrung bestimmte seinen weiteren Lebensweg.

 

Nach vergeblichem Bemühen, kirchliche Einrichtungen in Europa für ein Hilfswerk für behinderte Menschen in der Türkei zu interessieren, gründeten die Geschwister mit Unterstützung eines kleinen Freundeskreises 1908 in der türkischen Stadt Malatia eine Schule für blinde, gehörlose und andere schwerstbehinderte Menschen, ohne Unterschied der Rasse und Religion.

 

Während der türkischen Pogrome an Armeniern im ersten Weltkrieg stellte sich Christoffel, oft selbst in Lebensgefahr, vor die Verfolgten und rettete Hunderten von armenischen Kindern, Männern und Frauen das Leben.

 

Wie alle Deutschen wurde 1919 Pastor Christoffel aus der Türkei ausgewiesen und durfte erst fünf Jahre Später wieder einreisen.

Trotz bestandener Lehrerprüfung als Voraussetzung für die Gründung einer Schule im heutigen Istanbul durfte er aus politischen Gründen das Vorhaben nicht verwirklichen. So gründete er 1925 in der iranischen Stadt Täbris, nachdem er die gebräuchlichen Sprachen persisch, türkisch und armenisch gelernt hatte, eine Blindenschule. 1928 folgte eine zweite Schule in Isfahan. Beide Heime waren rasch überfüllt, weil sie auch gehörlose körper- und geistig behinderte Menschen, die in Straßengraben vor sich hinsiechten, aufgenommen hatten. Hier kamen sie sich wie Könige vor.

 

Mit der Schul- und Berufsausbildung von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen widerlegte Christoffel das Vorurteil in den Entwicklungsländern von der Bildungsunfähigkeit dieser Menschen.

Der zweite Weltkrieg setzt den Bemühungen Christoffels ein jähes Ende. 1943 wird er von den Alliierten verhaftet, in mehreren Lagern interniert und erst im Juni 1946 in Neuengamme bei Hamburg entlassen.

 

Seine Schule in Täbris wurde geschlossen, die Einrichtung in Isfahan übernahmen die Engländer und führten sie als Schule für blinde Mädchen.

Pastor Christoffel richtete 1949 ein Heim für Kriegsblinde in Nümbrecht bei Köln ein. Er setzte alles daran, in den Orient zurück zu kehren: «Die Blinden dort gehören zu den Elenden, die ihren Mund nicht auftun, deren Jammer von der Masse nicht verstanden wird.»

 

1951 konnte er wieder in den Iran fahren und in Isfahan mit finanzieller Hilfe schwedischer Freunde eine neue Schule für blinde und andere schwerstbehinderte Männer ins Leben rufen.

 

Am 23. April 1955 starb er in Isfahan. Nach Ihrer Revolution schlossen die islamischen Machthaber Irans 1979 die Schule. «Hier ruht im Frieden Gottes Pastor Ernst J. Christoffel, der Vater der Blinden, der Niemandskinder, der Krüppel und Taubstummen nach über fünfzigjähriger Pionierarbeit", steht in deutsch, armenisch und persisch auf seinem Grabstein auf dem armenischen Friedhof bei Isfahan.


 

Quelle: dpa Bericht aus dem Jahr 2006

 

 

 

Dieser Artikel wurde bereits 7699 mal angesehen.



.